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Angst bei Demenz lindern – praktische Wege zur Entlastung

Angst bei Demenz betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihr Umfeld. Angehörige, Pflegekräfte und nahestehende Personen sehen, wie die Menschen leiden und stehen so ganz oft vor der Aufgabe, diese Angst lindern zu wollen. Sie werden täglich mit der Frage konfrontiert, wie sie Sicherheit vermitteln und gleichzeitig Überforderung vermeiden können. Während Angst im ersten Artikel als Symptom und Ausdruck des inneren Erlebens beschrieben wurde, geht es hier um konkrete, alltagsnahe Strategien, die Betroffene spürbar entlasten.
Viele Angehörige berichten, dass schon kleine Veränderungen eine deutliche Beruhigung auslösen können. Vorausgesetzt, sie sind gut auf die individuelle Situation abgestimmt

Die Rolle der Umgebung

Die Umgebung beeinflusst Angstempfinden stärker, als viele vermuten. Sie kann stabilisieren oder verunsichern.

Licht und Wahrnehmung

Eine durch die Demenz veränderte Reizfilterung führt dazu, dass Reize schwer priorisiert werden können. Die Beleuchtung hat somit einen hohen Einfluss auf die visuelle Wahrnehmung und emotionale Stabilität. Harte Schatten können irritieren, flackerndes Licht verunsichern. Eine gleichmäßige Ausleuchtung hilft, Reize besser einzuordnen. Dies trägt dazu bei, dass die Umgebung weniger bedrohlich wirkt.
Besonders während der Dämmerung kann eine gute Beleuchtung beruhigend wirken und die Angst bei Demenz reduzieren.

Orientierung in Raum und Zeit

Farbliche Markierungen, klare Wegeführungen und gut sichtbare Symbole unterstützen das räumliche Verständnis. Wenn die Orientierung leichter fällt, sinkt das Risiko emotionaler Überforderung. Untersuchungen zeigen, dass Klarheit im Umfeld das emotionale Erleben stabilisieren kann. Dazu zählen z. B. auch ein gut lesbarer Kalender und eine Uhr.

Bedeutung vertrauter Gegenstände

Vertraute Gegenstände wie Fotos, Lieblingsdecken oder gewohnte Möbel, vermitteln Sicherheit und reduzieren Fremdheitsgefühle. Sie fördern das Gefühl von Zugehörigkeit und innerer Sicherheit. Selbst kleine Objekte können eine Verbindung zur eigenen Lebensgeschichte herstellen. Diese Form von Vertrautheit hilft, dass der Alltag weniger fremd erscheint.

Bestätigende Kommunikation

Bedeutung emotionaler Realität

Bestätigende, oder auch validierende, Kommunikation bedeutet, die emotionale Realität eines Menschen ernst zu nehmen – auch wenn die Inhalte der Aussagen objektiv nicht stimmig sind. Das subjektive Erleben wird somit ernst genommen und der Betroffenen fühlt sich verstanden. Dies schafft eine gute Grundlage, um innere Anspannung zu verringern. Wenn Betroffene z. B. sagen „Hier ist jemand im Zimmer“, obwohl niemand da ist, geht es weniger um die Tatsache selbst, sondern um das Gefühl dahinter.

Gefühle ernst nehmen

Studien zeigen, dass Menschen ruhiger wirken, wenn ihre Gefühle ernst genommen werden. Die innere Anspannung reduziert sich, weil nicht korrigiert, sondern verstanden wird. So wird die emotionale Atmosphäre stabiler. „Ich sehe, dass du dich gerade fürchtest. Ich bin bei dir.“ hilft mehr als zu sagen „Du brauchst keine Angst zu haben“.
Das Spiegeln emotionaler Zustände ist kein „Nachgeben“, sondern ein therapeutisches Werkzeug zur Stressregulation.

Warum Widerspruch Angst verstärkt

Der Umgang mit Widerspruch setzt kognitive Fähigkeiten voraus, die bei Demenzkranken oft nicht mehr voll vorhanden sind. Korrigieren oder diskutieren führt also zu mehr Unsicherheit und steigert die Angst. Bestätigende Kommunikation schafft dagegen Orientierung, weil sie auf der Gefühlsebene ansetzt – der Ebene, die bei Demenz am längsten stabil bleibt.

Weitere Möglichkeiten zur Angstlinderung

Rituale und Routinen

Wiederkehrende Abläufe vermitteln Stabilität. Selbst wenn Details nicht mehr vollständig verstanden werden, wirken Rituale und Routinen beruhigend. Sie helfen, den Tag zu strukturieren und erleichtern das Erleben von Vertrautheit. Dies kann innere Anspannung reduzieren. Regelmäßige Essenszeiten, gleichbleibende Morgenrituale oder feste Abendroutinen spielen daher eine große Rolle.

Körperliche Ansätze

Rhythmische Bewegungen, sanfte Berührungen oder tiefes Atmen wirken auf der körperlichen Ebene stabilisierend. Diese Methoden setzen dort an, wo Sprache an Grenzen stößt. Die körperliche Ansprechbarkeit bleibt über viele Krankheitsphasen hinweg erhalten, wodurch solche Ansätze besonders wertvoll sein können. Dazu zählen z. B. langsame Schaukelbewegungen im Sessel oder warme Handmassagen.

Biografiebezogene Impulse

Musik aus der Jugend, vertraute Gerüche oder Gegenstände können emotionale Brücken zur Vergangenheit schlagen. Diese stärkt unbewusst das Gefühl von Selbstkontinuität. Solche Verbindungen können ein Gefühl von Ruhe und Orientierung vermitteln. Viele Pflegeeinrichtungen integrieren heute aktiv biografische Arbeit, weil sie nachweislich Angst reduziert.

Wie Angehörige Sicherheit vermitteln können

Tages-Struktur

„Was kommt als Nächstes?“ Eine Frage, die für Menschen mit Demenz Angst erzeugen kann. Wie schon erwähnt, hilft ein klarer Tagesrhythmus. Er gibt Orientierung, senkt die Anspannung, reduziert Diskussionen und erleichtert so den gemeinsamen Alltag. Vor allem dann, wenn die Fragen sich ständig wiederholen.

Sicherheit durch Präsenz

Anwesenheit muss nicht laut und auffällig sein.
Oft genügt:
• im selben Raum sitzen
• in Reichweite bleiben
• gelegentlich Blickkontakt
• leise verbale Orientierung
Viele Betroffene reagieren beruhigt auf ruhige Hintergrundgeräusche wie Naturklänge oder leise Musik.

Entlastung der pflegenden Angehörigen

Angst bei Demenz kann Angehörige stark belasten. Regelmäßige Pausen, Austausch in Angehörigengruppen, professionelle Beratung und auch Urlaube ohne die betreute Person sind wichtig. Nur wenn Angehörige selbst stabil bleiben, können sie dauerhaft Sicherheit vermitteln.

Wann medizinische Hilfe nötig ist

Angst kann sich verstärken, wenn medizinische Probleme im Hintergrund stehen:

• Schmerzen
• Infektionen
• Nebenwirkungen von Medikamenten
• Dehydrierung
• Schlafstörungen

Medizinische Abklärung ist notwendig, wenn…

• Angst plötzlich stark zunimmt
• Verwirrtheit ungewöhnlich ausgeprägt erscheint
• der Schlaf massiv gestört ist
• Aggressionen auftreten

Eine frühzeitige Abklärung verhindert unnötige Eskalationen und sorgt dafür, dass Angst nicht fälschlich als „trotziges Verhalten“ abgetan wird.

Auf einen Blick

1. Warum zeigen Menschen mit Demenz oft Angst?

Weil Wahrnehmung, Orientierung und Reizfilterung verändert sind. Das erzeugt Unsicherheit.

2. Wie äußert sich Angst bei Demenz?

Oft über Verhalten: Unruhe, Rückzug, suchende Blicke, Vermeidung, Anspannung.

3. Was hilft im Alltag am meisten, um Angst bei Demenz zu reduzieren?

Rituale, Orientierung, vertraute Gegenstände, validierende Kommunikation.

4. Soll man Betroffenen widersprechen, wenn sie etwas Falsches sagen?

Nein. Widerspruch verstärkt Unsicherheit. Gefühle spiegeln wirkt dagegen beruhigend.

5. Wann ist ein Arztbesuch wichtig?

Bei plötzlicher Verschlechterung, neuen Symptomen, unerklärlicher Unruhe.

6. Können Medikamente helfen bei Angst bei Demenz?

Das muss immer individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

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Rechtlicher Hinweis: Die Inhalte dieses Blogs dienen der allgemeinen Information und persönlichen Anregung und ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose, Beratung oder Behandlung.

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